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19.12.2025

Auszeichnung für die Fassadensanierung der Krautheimer Krippe


Bildnachweis: Architekturbüro Conn und Giersch

Die Fassadensanierung der Krautheimer Krippe in Fürth erfolgte unter der Leitung unseres Architekturbüros und erhielt eine Auszeichnung der Stadt Fürth.

Die Krippe  wurde 1912 nach den Plänen des Stadtbaurats Josef Zizler errichtet und geht auf die Stiftung von Martha Krautheimer zurück, die damit den Wunsch ihres verstorbenen Mannes Richard erfüllte. Der neoklassizistische Bau mit Walmdach, Sandsteingliederungen, viersäuligem Portikus und markantem Treppenturm diente über Jahrzehnte als fortschrittliche Kinderkrippe und ist bis heute ein Zeugnis Fürther Sozial- und Architekturgeschichte.

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Die Einrichtung war ihrer Zeit weit voraus: Sie nahm unabhängig von Herkunft und Konfession alle Kinder auf und bot vor allem den Kindern berufstätiger Frauen – insbesondere der vielen Fürther Fabrikarbeiterinnen – eine zuverlässige Betreuung. Durch den Schicht- und Nachtbetrieb der Fabriken war eine Versorgung rund um die Uhr notwendig, die in vier Säuglingszimmern für etwa 120 Kinder gewährleistet wurde.

Ein besonderes architektonisches Element bildet der südwestlich ausgerichtete Balkon, der ursprünglich als offene Liegehalle genutzt wurde und auf dem in den Anfangsjahren bis zu zwanzig Kleinkinder in kleinen Bettchen im Freien schlafen und frische Luft erhalten konnten – ein damals modernes Konzept der Kinderfürsorge.

Die im Laufe der Zeit entstandenen umfangreichen Schadensbilder am Bestand machten eine Instandsetzung und Restaurierung erforderlich, die wir von Sommer 2022 bis Mitte 2025 durchführten.

Bildnachweis: Architekturbüro Conn und Giersch

Im Zentrum der Arbeiten standen die stark geschädigten Zonen der erhalten, duchfärbten Rauhputzoberfläche an den Fassaden verbunden mit einer Rückführung des Erscheinungsbildes in die Erbauungszeit auf Grundlage einer restauratorischer Befundung. Die Fassade wies Risse, Hohllagen, Schalenbildungen und zahlreiche unpassende rezente Reparaturstellen aus Zementputzen auf. Der teils tief in den Putz eingewachsene Fassadenbewuchs wurde entfernt, um die anschließenden Arbeiten zu ermöglichen und weitere Oberflächenschäden zu verhindern.

Die originale, grobkörnige Struktur des historischen Kellenwurfs war in vielen Bereichen überformt oder beschädigt. Zunächst wurden ungeeignete jüngere Putzergänzungen abgenommen, bevor die erhaltenswerten Flächen gesichert und die Verlustzonen mit einem individuell entwickelten Putzsystem wiederhergestellt wurden, das sich eng an die historische Handputztechnik anlehnt. Enher gingen die Arbeiten mit einer statischen Ertüchtigung des historischen Ziegelmauerwerks. 

An Fenstern, Türen und den hölzernen Bestandteilen wie Dachgauben mit geschlitzten Verzierungen erfolgten umfangreiche Anstrich- und Restaurierungsarbeiten, Fenster wurden nach Bedarf neu verglast.

Restauratorische Befunde ermöglichten die Rekonstruktion der historischen Farbigkeit, darunter ein kräftiges, kühltoniges Rot an der Portikusdecke sowie verschiedene Grün- (Fensterläden, Türen, Balkonbrüstungen, Säulen im Eingangsbereich), Gelbocker- (Dachgauben) und  Weißtöne (Fensterrahmen), die das erbauzeitliche Erscheingungsbild wieder erlebbarer machen. 

Die Natursteinbereiche, insbesondere der durch Feuchte- und Salzbelastung geschädigte Sandsteinsockel sowie die Treppenaufgänge, wurden saniert. Nach Reinigung und Entsalzungsmaßnahmen erfolgten Steinfestigungen und die Ergänzung abgewitterter Partien. 

Auch die Metallbauteile wie Balkon- und Kellerabgangsgeländer sowie ältere Verblechungen wiesen starke Korrosion auf und wurden entsprechend erneuert oder instandgesetzt. Neben der Rekonstruktion der historischen Kugelbekrönung der Turmhelmspitze nach historischen Vorbild stand am Ende der Instandsetzung die Erneuerung der Aussenbeleuchtung.